Dalton Highway – Deadhorse

 Dalton Highway-

Deadhorse                    Fairbanks, 03.08.2013

 

Wie ist es, wenn du von einem Ende der Welt auf die andere Seite der Welt fährst? Wie ist es, wenn du nach 44 557km am Ende eines Weges stehst? Wie ist es, wenn nach 9 Monaten der Weg in den Norden zu Ende ist? Wie ist es, wenn du ein Ziel – das einmal ganz weit weg war – erreicht hast? Wie ist es, wenn du dort stehst und dir das Adrenalin eine solchen Kick gibt (ohne Drogeneinfluss bitte!), dass alle Rücken-, Nacken- und Handgelenksschmerzen der letzten Monate einfach verblasen? Es ist einfach großartig! Es ist genial! Es ist unglaublich! Es ist atemberaubend und unsere Zähne strahlen um die Wette mit der Sonne! Aber im ersten Moment kommen wir uns etwas hilflos in Deadhorse vor, aber mal von Anfang an…. Der „Dalton Highway“
liegt vor uns und hinter uns liegt eine kurze Nacht. Die Nächte sind hier verdammt kurz, denn die Sonne geht erst um 23 Uhr unter dafür schon um 04:00 Uhr auf… verdammt kurz… aber wir sind froher Stimmung und durch die Aufregung auch schon etwas aufgeputscht, wobei auch Unsicherheit (In welchem Zustand wird die Piste sein?) sich mitmischt.
Der „Dalton Highway“ ist eine 660km „Sackgasse“ zum Ort „Deadhorse“, welche im Grunde ein ausgebautes Fabrikgelände einer Erdölfirma mit Containerunterkünften ist. Er, der Highway, gehört für viele zu den abenteuerlichsten Strecken in Alaska - nicht ohne Grund, denn von den 660km sind 120 km Asphalt und die Länge von 440 km ist reine Erdpiste, die bei Nässe einfach nur zu einer Schlammpiste wird. Das Wetter entscheidet über ein Vorwärtskommen oder eine Zwangspause… und das Wetter kann sich von einer Stunde zu nächsten wandeln. Hinzu kommt auch der Faktor, dass es entlang dieser 660km genau 2 Tankstellen gibt und nicht mehr… ach ja, und viele Baustellen, wo Arbeiter und -Innen versuchen innerhalb von 2 schneefreien Monaten Pistenschäden zu reparieren. Ursprünglich war der Dalton Highway nur für die Versorgungsfahrzeuge der Trans-Alaska-Pipeline, die von Deadhorse (entlang dieses Highways) bis nach Valdez (Tankeranlegestelle) geht, bestimmt und Mitte der 1990-er Jahre wurde er für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Wir begeben uns also um 8:00 zuerst einmal auf 134km Asphalt, die zum Anfang des Dalton Highways führen. Der Himmel ist blau und die Sonne schickt uns wärmende Strahlen, wobei wir schon länger erstaunt sind, dass es hier in Alaska so warm ist. Nachmittags hatten wir in den letzten Tagen immer um die 25 Grad. Bei einem Gespräch an der letzten Tankstelle erfuhren wir, dass es um ca. 15 Grad zu warm sei, als üblich… auch hier spürt man die Klimaveränderung…

Jedenfalls geht es ab dem Schild: „Dalton Highway“ schon mal los mit einer Piste, die frisch mit Kies aufgeschüttet wurde und uns ganz schön durchrüttelt. Es ist lange her, dass wir solche Straßen befuhren… Schlaglöcher und Wellblechrillen vom LKW Verkehr und der lose Schotter erschweren doch das Vorwärtskommen, aber nach einigen Kilometer kommt unsere Routine auf diesem Untergrund hervorgekrochen und es macht wieder richtig Spaß. Das einzige, das unsere Freude etwas dämpft, ist der Staub, der durch die entgegenkommenden LKWS vom trockenen Kies aufgewirbelt wird. Aber auch dies geht vorbei, als der Kies verschwindet und nur noch eine Erdpiste vor uns liegt. Sie ist fest, trocken und hart… wie Asphalt und neben der Sonne blinzeln nun auch unsere Zähne hervor. Nach 80km mit Aussichtspunkte auf die Pipeline kommt eine Holzbrücke über den mächtigen Yukon River und danach gleich eine Tankstelle. Wir tanken wieder alles auf, trinken eine Cola und weiter geht es. Einige Motorradreisende und Trucks sind unterwegs, an sonst sind wir alleine in den Wäldern und entlang der Piste. Bis zum Artic Cricle (Polarkreis = der südlichste Punkt, an dem die Sonne an den Tagen 21.6. gerade nicht mehr untergeht bzw. 21.12. nicht mehr aufgeht. Die Gebiete nördlich des Polarkreises werden bereits der Arktis zugerechnet!) ist es nicht mehr weit, aber um das perfekte Foto zu erhalten, braucht es einige „Sprünge“ (siehe Foto –Spezial). Danach kommt Coldfoot – die letzte Tankmöglichkeit und offizielle Schlafmöglichkeit für die nächsten 400km. Beim Tanken unterhalten wir uns mit 2 Burschen, die von Deadhorse kommen und sie berichten über Matsch und furchtbaren Straßenverhältnissen. Ihr Auto sieht dem entsprechend verschlammt aus… na bravo… Wir finden einen Platz am
Campground und verkriechen uns gleich mal, denn die Moskitos sind riesig, übermächtig und durstig…
Nach einer neuerlichen kurzen Nacht und (auf Grund der übermächtigen Anzahl von Mosquitos) eines kurzen Frühstückes geht es für uns weiter. Neuer Morgen – neues Glück… 400km Piste liegen vor uns. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und zu unserem Vergnügen bleibt sie treu an unsere Seite – bis sie nach 23 Uhr wieder für kurze Zeit untergeht… Wir befinden uns also wieder auf der Piste und gelangen über den Atigun Passes (1400) in das flache Tundra Gebiet… wir verlassen die Bäume und Berge und eine unglaubliche Ebene breitet sich vor uns aus… sie schimmert in den unterschiedlichsten Grüntönen, dazwischen blühen violette und weiße kleine Blüten, sowie kleine und große blaue Seen durchbrechen das Grün. Als die Piste wieder einmal „etwas weicher“ wird, leeren wir das Benzin aus den Kanistern in den Tank, um auch das Gewicht von den Hinterreifen zu verlagern. Die letzten 30 km fliegen wir direkt nach Deadhorse… es zieht uns an, obwohl die Piste doch immer wieder schlammig ist und wir auch kämpfen müssen, gleiten wir Deadhorse entgegen und dann sind wir da… wir sind endlich da… Riesige Baustellenfahrzeuge empfangen uns. Wir suchen nach der Tankstelle – winzig klein und man kann es kaum glauben: hier, wo das Öl quillt, gibt es nur 87 Oktan Benzin zu kaufen… ist ja unglaublich! In einem Container finden wir auch ein Geschäft, wo wir etwas einkaufen. An Hand eines „Stadtplanes“ gelangen wir  an ein Containerhotel, um eine Kleinigkeit zu essen. Nachdem wir über unsere Schuhe Schmutzhauben stecken und unsere Hände desinfizieren, dürfen wir dieses Hotel auch betreten, wobei wir uns fühlen, als wären wir in einer Schiffskantine gelandet – alles etwas verwirrend. Da das Wetter nach wie vor auf unserer Seite ist, die Sonne noch lange am Himmelszelt steht und wir viele möglichen Plätze entlang der Piste zuvor zum Nächtigen sahen (sollten wir es bis Coldfoot nicht schaffen), verlassen wir wieder die schlammigen Straßen Deadhorses, die Containerstadt der Arbeiter… der nördlichste zu befahrene Ort Alaskas…

Die Rückfahrt bis Coldfoot (wieder 400km Piste retour – denn wir haben auch dieses geschafft – 800 Pistenkilometer an einem 15 Stundentag) ist unglaublich… schon beim Essen sprechen wir über: nicht müde sein, denn irgendwie fühlen wir uns total gepuscht und dieses Gefühl verstärkt sich mit jedem Kilometer, denn wir Richtung SÜDEN fahren… das Grinsen wird breiter, je weiter wir nach Süden fahren… die Farben der Gräser sind intensiver, mit jedem Kilometer Richtung Süden… und dann sehen wir noch eine Herde freier Bison 200m entfernt von uns… es folgen noch Karibus, Erdmännchen und Elche…Auch wenn wir im Grunde die Strecke schon gefahren sind, aber: die Sonne steht schon tiefer - die unglaubliche Kraft ihrer Strahlen auf die Berge vor uns, lässt unser Glück unermesslich erscheinen und so ist es. Auch wenn uns die Unterarme von der langen Fahrt schon schmerzen, dämmt dieses Glück diese Schmerzen… Es ist nicht messbar, es ist nicht festzuhalten, es ist nicht auf einer Skala erkennbar, es ist nicht beschreibbar… aber es ist UNGLAUBLICH – so wie die letzten 9 Monate!

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