Mein lieber imaginärer Freund

Mein lieber imaginärer Freund,         Masaya, 25.04.2023

 

Spät aber doch – sorry – schreibe ich dir zurück. Danke für deinen ausführlichen Brief über das Irrsinnswetter bei euch, oh und, dass jetzt endlich mal schönes Wetter und somit die Sonne wieder in dein Leben getreten ist, finde ich natürlich großartig. Du schreibst, dass alle schon total depressiv waren und die Osterhasenschokolade doch nur eine bedingte und einseitige Befriedigung bot… na da muss ich dir sagen, du lebst echt am anderem Ende der Welt, denn hier wurde gar kein Schokoosterhasen oder Schokoosterei produziert, denn die beide würden glatt bei der Zustellung schmelzen und sich vereinen… eine Fusion eingehen… ein Ostereihasenschoko oder doch ein Osterhaseneischoko?

Du möchtest mehr über Nicaragua wissen und schreibst mal so einfach: „Und wie is es?“ Was soll ich da antworten? Was möchtest du denn genau wissen? Wie groß? Wie breit? Wie hoch? Oder übers Wetter – da reicht einfach nur: HEISS! Oder über die Leute? Arm oder reich – dick oder dünn – groß oder klein? Ich weiß oft nicht, was du von mir lesen möchtest… ich weiß oft nicht, was dich interessiert und dabei fällt mir ein, dass wir einfach schon so lange auf Reisen sind, dass mir vieles gar nicht mehr ins Auge sticht, dass wir uns an vieles – wie die Obststände an den Straßen oder die kleinen Häuser, die gerade mal die Größe eines Gartenhäuschens vom unseren Nachbarn in Österreich neben dem Swimmingpool haben - gewöhnt haben… ich weiß nicht, aber ich schreib` dir einfach mal ein paar Eindrücke einer kurzen Busfahrt auf, so verschaffe ich dir, glaube ich mal, einen kleinen Einblick oder vielleicht liege ich auch daneben…

Du sitzt in einem- so einem gelben Bus, wie du es vielleicht schon auf unseren Fotos gesehen hast – so einen gelben ehemaligen Schulbus bei uns… innen sieht er auch so aus wie damals… es ist echt heiß, glaub mir, es ist so heiß, dass du auf dem braunem Ledersitz in deinen kurzen Hosen einfach so zum Schwitzen beginnst – jetzt wird es echt unangenehm, aber es bleibt ja alles unter uns und wird ja nicht zum Dorfgespräch (es bleibt doch sicher unter uns – des nennt man Briefgeheimnis!) - ja du fängst so an den Oberschenkeln zu schwitzen an, dass du glaubst, du hast dich angemacht und fürchtest dich, dass es bei den Shorts so aussieht, als wäre dieses Gefühl auch sichtbar… du verstehst, was ich meine. Und stell dir vor, dieses Gefühl entsteht schon bevor der Bus losgefahren ist… du sitzt gerade mal 10 Minuten im antiklimatisierten, dafür mit halbgeöffneten Fenstern (weiter gehen sie nämlich nicht auf) Bus… so viel zu deiner Person… Nun zu den anderen Mitfahrer und Innen, bei denen keine sichtbaren Anzeichen von leichter Überhitzung auf der Haut zu finden sind… nix, dabei tragen die noch lange Hosen oder Röcke… dir fällt auch noch auf, dass alle jungen Frauen… schätzen wir mal so ab 17 Jahre - Kinder dabei haben, die – ja absichtlich die Mehrzahl, denn es sind zu meist 2 oder 3 – ja, die sich noch dazu eng an ihre Mama schmiegen… ich will jetzt nicht mehr von Wärme, Hitze oder Schwüle schreiben… hab` ich eh schon zu genüge… aber die Kids bleiben bei der Mama, auch wenn der Buskassierer – nenne ich mal so – ein Kind auf eine andere Bank setzten möchte… das Kind bleibt bei der Mutter. Nun bevor losgefahren wird, kommen noch allerhand Verkäufer in den Bus – jeder wirbt lautstark um sein Produkt. Die Palette reicht von gegrilltem Hühnerhaxen über Nüsse zu halb – zerronnenes Eis oder selbstgemachter Saft in einem – bei uns bekanntem - Gefriersackerl, das mit einem Stroh Röhrl getrunken wird. Dazwischen taucht nun auch ein Mann mit Schnapsflaschen alla „Flachmann in Glas“ auf und hält in jedem in jeder Reihe seine zu kaufenden, durchsichtigen Flaschen unter die Nase – außer uns, den einzigen Ausländern. Neben Essbarem und diversen Getränken kommt auch ein Typ mit einem Vokabel- Englisch–Spanisch-Aussprachetabelle–Heft in den Bus und bietet ein super Schnäppchen an: statt 30 Córdobas nur 10 und obendrein gibt es noch einen Kugelschreiber dazu… ich darf hier vermerken, dass 30 nic. Córdobas ca. 1 Euro sind… also ein echtes Schnäppchen…. Berührend für mich war auch der „Auftritt“ eines Vaters, der, mit seinem ca. 2 jährigem Sohn, welcher mit einem Buckel am Rücken geboren wurde, um Spenden bat… Und jetzt geht erst mal die Fahrt los… du kannst dir also vorstellen, der Lärmpegel bis zur Abfahrt war enorm, denn ein Verkäufer am Ende – einer in der Mitte und einer beim Eingang des Busses rief um die Gunst der Konsumenten, … und draußen auf dem Busbahnhof ging es nicht anders zu… Der Markt liegt neben dem Busbahnhof, so dass die transportierte Ware vom Lande gleich verkauft werden können. Es gibt keine fixen Abfahrtszeiten aller Busse – ob nach Norden, Süden, Osten oder Westen… alle 20 Minuten und wenn voll geht es raus. Zuerst durchquert der Bus die Wellblechhüttenverschläge ohne Untergrundabwasserkanal, die sich an den Busbahnhof anschmiegen, nicht umsonst heißt es oft in Reiseführern. „… die Gegend um den Busbahnhof ist zu meiden. Es wurde des Öfteren von Diebstählen berichtet…“ Was glaubst du, warum das so steht? Nicht weil daneben Luxusvillen und Resorts gebaut sind – dieser „Bauplatz“ mit nicht bester Sicherheit und Aussicht ist für die Armen bestimmt… Der Buskassier geht während der Fahrt durch und kassiert von uns 20 Cordobas (also nochmals 30 sind ca. 1 Euro) für die 15km Fahrt und arbeitet mit einem Burschen zusammen, der immer am anderen Ende des Busses als er steht. Der Bus fährt keine 50km/h vorbei an Villen mit hoher Mauer und Stacheldrahtzaun, vergitterten Geschäften oder kleinem Häuschen ohne Fenster, ohne Gitter, ohne Türe. Mit 50km/h kann der Chauffeur jederzeit für einen Ausstieg halten, welcher durch ein lautes Schreien des Kassiers oder seinem Mitarbeiters ausgestoßen wird. Die Geschwindigkeit passt auch für einen Halt bei einem Zustieg, der von der wartenden Persönlichkeit am Straßenrand mit einem Winken angezeigt wird. Persönlichkeiten, ob jung, ob alt, ob flott, ob gebrechlich mit Stock, ob dick, ob dünn… die Busse werden immer voll sein… sie sind das wichtigste Transportmittel im Lande. Nicht so wie bei uns… wann war da der Bus noch ein wichtiges Transportmittel? Autos, Trucks, Mopeds, Pferde- oder Eselkutschen, sogar ab und zu Lastkarren mit Kühen kommen entgegen, aber die Busse zählen doch zu den meisten Vehikel auf der Straße. Fixe Bushaltestellen gibt es so wie die Abfahrtzeiten, nämlich überhaupt nicht wirklich – alles ist möglich... außer Schnee vielleicht….

Ja, alles ist möglich, hier in Nicaragua und wie läuft es in Österreich? Ach schreib` doch wieder mal, was so los ist und natürlich auch den Tratsch… ich sag` es ja auch keinem weiter (wem den auch?)… ist doch ein Briefgeheimnis….

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