Eine Honda Transalp oder ein alter Gaul?

Eine Honda Transalp oder ein alter Gaul?

 

He, ich bin`s … dein Motorrad. Ich bin ganz schön geschafft, aber das ist ja in Mexico nichts Neues. In Teotihuacán hatte ich ja einen Nachmittag Verschnaufpause, während du dir die Pyramiden angesehen hast. Ah, und das war richtig entspannend. Ich bin zuvor eine unglaublich öde Strecke – Stadtverkehr und dann ewig geradeaus zwischen riesigen Äckern, die zum Teil mit Pferdepflug und wenigen Traktoren bearbeitet wurden - gefahren… Eigentlich war es recht angenehmen aber etwas öde… ich will mehr! Die Nacht war erholsam und ruhig. Bis auf die Tatsache, dass mich ständig dieser reuige Kater, ob er echt was bereute, weiß ich eigentlich gar nicht, aber diese Eigenschaft gehört doch zu Katzen… die haben doch immer etwas ausgefressen oder? Letztens trug dieser Kater doch tatsächlich eine kleine Eidechse im Mund spazieren. Pfui Teufel, aber was soll ich mich schon groß melden, ich bin doch auch nicht wirklich nett anzusehen, wenn so die Fliegen, Mücken, Schmetterlinge oder Libellen an meiner ansehnlichen Frontseite kleben. Das muss echt widerlich aussehen. Die Tatsache, dass dieser Kater (ob reudig oder nicht) sich ständig auf mich setzten wollte und zwar so, dass seine Krallen sich in meine Sitzbank verhakten, war obendrauf noch durchaus unangenehm.

Nun eigentlich ging es mir in den letzten Tagen echt verdammt gut…. ich erhielt einen neuen Hinterreifen, tolle Ausfahrten in Oaxaca und Puebla standen an und die Fahrt durch hügelige Landschaft mit den unterschiedlichen Kakteen war auch grandios. Aber jetzt, hier in Guanajuato bin ich doch etwas geschlaucht… 380 Tageskilometer liegen hinter mir und ich bin wirklich geschafft, die letzte Fahrt… ja wie soll ich sie beschreiben? Ich empfand, ohne dass ich jemanden zu nahetreten oder verletzten möchte, sie zum größten Teil einfach nur grauenhaft, ja, und dies bis auf den Schluss! Am meisten macht mir hier in Mexico die Hitze zu schaffen. Sie ist während einer zügigen Fahrt recht erträglich, aber sobald ich schon ein Stadtgebiet, nein es reicht ein Dorf, erkennen kann, beginnt mein Kühlungssystem schon zu arbeiten und versucht mit Kühlflüssigkeit zu kühlen, was gekühlt werden soll bis dann auch noch Verstärkung auftritt und der Ventilator zur Kühlung der Kühlung einsetzt. Es ist mir unangenehm dieses Geräusch von mir zu geben, es hört sich an, wie das Hecheln eines überforderten Läufers, aber ich bin nicht überfordert - ich bin eine Honda Transalp… ein hervorragendes, ausgereiftes, modern designtes, flexibles und starkes Motorrad und ich nehme es mit jeder BMW, KTM, Kawasaki, Yamaha oder Suzuki auf. Ha, ich stelle mich der Gefahr und dem Abenteuer…. Ja, und so schaltet sich schon fast automatisch eben das Gebläse ein, wenn am Horizont ein Dorf auftaucht, denn dann ergeht es mir wie bei den meisten Menschen bei einem Anblick, der sie in Stress versetzt , der ihren Körper erhitzen lässt und sich daraufhin zur Kühlung Schweißperlen auf der Stirn bilden…. Ich falle regelrecht in Stress, den der Anblick eines Dorfes oder einer Stadt löst in mir einfach nur Panik aus… Panik vor den unzähligen „Topes“… den Mexikanischen Bodenschwellen. Mal gibt es sie breit und in sanfter Ausführung, dann sind sie schmal und hoch, so dass nichts daran vorbeiführt, dass ich einfach mit meinem Hauptständer aufsitze. Ich bin froh diesen „Zusatzballast“, wie ich meinen liebgewonnenen Hauptständer zuvor nannte, montiert bekommen zu haben. So ein Hauptständer ist schon was Feines, vor allem wenn ich wieder mal einen Patschen habe… keine Ahnung wie ich die Reifenausbauten in der Pampa ohne ihn überlebt hätte… Nun auch zum Schutz meines Auspufftopfes ist so ein Hauptständer optimal, aber er tut mir auch leid, kriegt alles auf den Deckel zum Schutz meines Deckels… aber zurück zum Start unserer Fahrt nach Guanajuato: zuerst ging es über kleine Landstraßen und durch kleine Dörfer, die sich dann rund um Mexico City zu immer größeren Städten entwickelten, d.h. die Abstände zwischen Dorfausfahrt und Dorfeinfahrt wurden kleiner, dafür wurde der Abstand zwischen Dorfeinfahrt und Dorfausfahrt immer größer, das hieß wieder für mich… meine Schweißperlen gingen gar nicht mehr weg, denn die Topes vermehrten sich auf eine unzählbare Anzahl. Vor jeder Bodenschwelle wurde an mir gezogen… links und rechts wurden meine Seitenstränge bis aufs Äußerste beansprucht und mit den Füssen bekam ich die Befehle von einer Bremsung und einer Gangschaltung nach unten, um mit einem sanften Schwung über diese Hügeln zu gelangen… und danach? Danach wurde wieder einen Gang raufgeschaltet und am Gasgriff gedreht… Nach 60km Fahrt in 2 Stunden habe ich mindestens 230 (bei 150 habe ich aufgehört zu zählen) Topes überquert – und wahrscheinlich hat mein Hauptständer 50 Schläge davon abbekommen – muss gestehen, dies ist eine Schätzung, ich habe die Schläge nicht mitgezählt, denn schließlich muss ich mich doch auch konzentrieren.

Stadtverkehr in Mexiko heißt: Topes vor jeder Kreuzung mit oder ohne Ampelregelung und Fußgängerübergänge, sowie ständiger STAU!!!! Also einfach ein Stop-and-go Verkehr und dies bei 30 Grad Wärme… so kriegte ich die Schweißperlen nicht weg und die Temperaturskala nicht unter 99Grad. Endlich die befreiende Entscheidung: Autobahn, die ist zwar gebührenpflichtig, aber was geht mich das an? Sollst du nur zahlen dafür, dass ich mich nach diesen 60 Kilometer fühle wie ein alter Gaul, der sich träumerisch an die Wellnesstage bei Sepp zurücksehnt, dabei bin ich noch jung, frisch und stark… eben eine Honda Transalp XL 700V in den besten Jahren… fühle mich aber doch ab und zu müde und ausgelaugt…. Ah Autobahn… nix denken und tun… Gang rein und geht …. Temperaturskala auf 83 Grad… optimal… aber nach 2 Stunden war mir echt fad. Immer das Gleiche war auch nicht wirklich nett, da half auch kein Tankstopp, aber ich konnte doch nicht alles haben… oder doch, denn so wie es aussah war es auch dir zuwider, oder warst du einfach nur zu knausrig die nächste Maut zu bezahlen? Jedenfalls kam ich runter von der Autobahn und nochmals durch ein Stadtgebiet – als hätte ich nicht schon genug davon – aber dann gelangte ich auf eine kurvige, gut asphaltierte Straße, die sich sanft über die feinen Hügeln, die in einem vertrocknetem, aber romantischen Strohgelb gehüllt waren, legte, und mir einen unglaublichen Fahrspaß empfangen lies, so dass mir, auf diesen letzten 70 Kilometer nach Guanajuato, einfach wieder klar wurde, dass ich eine Honda Transalp bin und noch lange kein fertiger Gaul, obwohl ich mir die Wellnesstage bei Sepp K. „aus alt mach neu“ sicher nicht mehr entgehen lasse….

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Kommentare: 1
  • #1

    Gego (Donnerstag, 20 Juni 2013 09:20)

    Schön, einmal die Reise von diesem "Reisegefährten" erzählt zu bekommen! Alles Gute weiterhin Euch Vier!

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